Manager Zeugnis
Wir gestalten durch individuelle & aussagekräftige Dokumente die Brücken zu Ihrem Erfolg


Formulierungen im Arbeitszeugnis:
Die versteckten Codes entschlüsseln

(von Sabine Gläser, Expertin für die Erstellung von C-Level Arbeitszeugnissen)


Formuleirungen im Arbeitszeugnis

Zwischen Zeilen lesen: Welche sprachlichen Mittel im Arbeitszeugnis eingesetzt werden

Arbeitszeugnisse folgen ihrer eigenen Grammatik und Logik. Wer den Code nicht kennt, übersieht gravierende Abstufungen in der Bewertung. Im Wesentlichen nutzen Arbeitgeber und Personalverantwortliche folgende sprachliche Stilmittel, um Leistung und Verhalten zu bewerten:


1. Verzicht auf elementare Aussagen (Das beredte Schweigen)

Wird das Verhältnis zu Kollegen lobend erwähnt, das Verhalten gegenüber Vorgesetzten jedoch komplett verschwiegen, ist dies ein starker Hinweis auf Unstimmigkeiten in der Hierarchie. Ähnliches gilt, wenn Teilbereiche der Aufgaben in der Leistungsbeurteilung fehlen oder wichtige, für die Position elementare Eigenschaften nicht genannt werden – etwa die Vertrauenswürdigkeit bei einer Bilanzbuchhalterin oder absolute Diskretion bei einer Assistentin der Geschäftsführung.

2. Indirekte sprachliche Formulierungen

Für den Verfasser leicht, für den Leser eine echte Hürde: Soll zum Beispiel ausgedrückt werden, dass es einem Arbeitnehmer an Eigeninitiative mangelt, wird stattdessen das Gegenteil übertrieben betont – nämlich die reine Ausführung von Befehlen.
Beispiel: „Herr Muster erfüllte alle Aufgaben stets vorgabengetreu nach Rücksprache.“ (Übersetzung: Ihm fehlt jegliche Selbstständigkeit.)

3. Die feine Negierung 
Positive Eigenschaften werden so geschickt und spitz formuliert, dass eine unglückliche, abwertende Assoziation entsteht.

Beispiel: „Herr Muster wusste sich stets gut zu verkaufen.“ (Übersetzung: Er war Blender statt Teamplayer.)


4. Unpersönliche und passive Formulierungen

Durch Passivkonstruktionen wie „wurde eingesetzt“, „wurde vertraut gemacht“ oder „wurde mit Aufgaben betraut“ lässt sich die Eigenverantwortung und das selbstständige Agieren des Arbeitnehmers gezielt im Text verschleiern und unterminieren.

5. Übertreibungen & Superlative (Die Weglob-Falle)

Bei guten Mitarbeitern und Managern sind geeignete Superlative im Arbeitszeugnis absolut üblich. Fehlen diese Standards, zeugt das von verhaltener Zufriedenheit. Allerdings gilt auch hier: Ein zu viel des Guten wirkt schnell unglaubwürdig und wirft bei Personalern sofort die Frage auf: „Soll hier jemand besonders auffällig weggelobt werden?“ Wer ein Arbeitszeugnis schreibt, muss Fingerspitzengefühl für die feine Gratwanderung  mitbringen. Zudem: je höher eine Position im Unternehmen angesiedelt ist, desto mehr Einfluss hat ein Mitarbeiter oft auf die Zeugnisgestaltung. Manager und Geschäftsführer kommen bei einem "Zuviel" deshalb schnell in Verdacht, unter Umständen eine selbstzentrierte Persönlichkeitsstruktur mitzubringen. Hier sollten Superlative begründet werden durch eine entsprechend dahinter stehende Leistung.


6. Die Länge des Zeugnisses als Wertschätzungssignal

Je höher die Position und je länger die Betriebszugehörigkeit, desto umfangreicher muss das Zeugnis sein.

  • Geschäftsführer & C-Level: Am umfangreichsten (mindestens 2 Seiten, oft sind es 3).
  • Fach- und Führungskräfte: etwa 2 Seiten.
  • Sachbearbeiter: etwa 1,5 DIN-A4-Seite.
  • Achtung: Ist das Zeugnis für eine leitende Führungskraft nach fünf Jahren Betriebszugehörigkeit nur knapp eine Seite lang, ist das ein klares Indiz für Geringschätzung und mangelnde Zufriedenheit.

Standard versus Individuell angefertigtes Arbeitszeugnis

Ein individuell verfasstes Arbeitszeugnis erfordert Zeit, Datensammlung/-aufbereitung sowie redaktionellen Aufwand – diese Extra-Arbeit betreiben Unternehmen in der Regel nur für wertgeschätzte Top-Mitarbeiter. Alle anderen erhalten meist ein standardisiertes Dokument aus Textbausteinen. Der eigentliche Wert eines Mitarbeitenden spiegelt sich daher direkt in der Individualität der Formulierungen wider. Wer das Zeugnis liest, erkennt sofort: Hier hat sich jemand intensiv mit der Leistung auseinandergesetzt. Bei qualifizierten Referenzschreiben ist dieses Vorgehen längst Standard – warum also nicht auch beim qualifizierten Arbeitszeugnis?

Meine klare Empfehlung

Ich rate dringend zu einem individuellen Arbeitszeugnis. Es bietet nicht nur einen messbaren Aussagewert über die Unternehmenskultur und den Umgang mit Führungskräften, sondern gibt Ihnen vor allem die Möglichkeit, besondere Management-Stärken präzise, differenziert und wirkungsvoll herauszuarbeiten.

Möchten Sie mehr erfahren? Vergleichen Sie auch unsere ergänzenden Informationen zum Thema: Arbeitszeugnis - Formulierungen und Formulierungshilfen. Ich freue mich, wenn Sie sich auf den nachfolgenden Seiten näher informieren, und stehe Ihnen für Fragen, Analysen und die Erstellung Ihres C-Level-Zeugnisses jederzeit gern zur Verfügung!







E-Mail
Anruf
Infos