Manager Zeugnis
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Arbeitszeugnisse interpretieren und entschlüsseln:
So lesen Sie zwischen den Zeilen

(von Sabine Gläser, Expertin für die Erstellung von C-Level Arbeitszeugnissen)

Arbeitszeugnis interpretieren

Die korrekte Interpretation und Entschlüsselung eines Arbeitszeugnisses ist für Arbeitnehmer, Fach- und Führungskräfte sowie für Verfasser gleichermaßen wichtig. Personalverantwortliche möchten mit einem qualifizierten Zeugnis in der Regel nützliche Informationen über den ausscheidenden Mitarbeiter weitergeben und Top-Managern den Weg für neue berufliche Möglichkeiten ebnen.

Doch wie schätzt der Leser den Informationsgehalt wirklich ein? Aus Unsicherheit greifen viele Verfasser zu Standardvorlagen, um „nichts falsch zu machen“. Dabei ist die Analyse eines qualifizierten Zeugnisses gar nicht so schwer, wenn man die zentralen Kriterien kennt.

1. Der Gesamteindruck und die Formalismen

Im ersten Schritt zählt der Gesamteindruck des Dokuments. Gibt es Stellen, bei denen man aufhorcht? Hier lohnt sich ein genauerer Blick:

  • Ausstellungs- vs. Ausscheidedatum: Gibt es hier Auffälligkeiten oder Abweichungen, kann dies ein Indiz für eine vorherige arbeitsrechtliche Auseinandersetzung sein, die sich über Monate hinweggezogen hat.
  • Formalismen als Wertschätzung: Eine sorgfältige Gestaltung (korrekte Überschrift, angemessene Länge, Fehlerfreiheit) zeigt die persönliche Wertschätzung des Arbeitgebers. Nachlässigkeiten deuten oft auf eine Geringschätzung hin – es sei denn, der Mitarbeiter hat den Text nach anwaltlicher Beratung korrigieren lassen.

2. Die Aufgabenbeschreibung im Fokus

Oft unterschätzt, aber essenziell: die Aufgaben- und Verantwortungsbreite. Wenn Tätigkeiten in Form eines unübersichtlichen, langen Fließtextes beschrieben werden, neigen Leser dazu, diese Passagen nur zu überfliegen.

Tipp für Verfasser: Eine übersichtliche Darstellung der Aufgaben mit Bulletpoints ist für eine präzise Interpretation im Sinne des Verfassers stets von Vorteil.


3. Der Notencode: So entschlüsseln Sie die Zeugnissprache

Im Beurteilungsteil werden Leistungen in Kategorien wie Leistungsbereitschaft/Engagement, Fachkompetenz, Arbeitsstil und Arbeitsergebnisse bewertet – gipfelnd in der Gesamtzufriedenheit und dem Sozialverhalten (intern wie extern).

Bei der Interpretation der Notenstufen orientieren sich Leser an folgenden Mechanismen:

Sehr gut (Note 1): Ausgedrückt durch Steigerungsformen, oft kombiniert mit einem Temporaladverb.

  • Beispiele: „stets sehr gut“, „überaus erfolgreich“, „höchst engagiert“.

Gut (Note 2): Gekennzeichnet durch ein beständiges Temporaladverb wie „stets“ oder „immer“ (bzw. eine Steigerungsform ohne Temporaladverb für eine starke 2).

  • Beispiele: „stets erfolgreich“, „immer motiviert“ oder „sehr erfolgreich“.

Zufriedenstellend (Note 3): Erkennbar am Fehlen von Temporaladverbien.

  • Beispiele: „erfolgreich“, „motiviert“, „ergebnisorientiert“.

Ausreichend (Note 4): Schlüsselwörter ohne jegliche Verstärkung oder mit Einschränkungen.

  • Beispiele: „zufriedenstellend“, „immer angemessen“, „stets anforderungsgerecht“.
  • Mangelhaft / Ungenügend (Noten 5–6): Wenn vor den ohnehin passiven Begriffen wie „angemessen“ oder „anforderungsgerecht“ auch noch das Temporaladverb gänzlich fehlt.

Weiterführende Informationen

Ich freue mich, wenn Sie sich auch auf den nachfolgenden Seiten näher informieren, und stehe Ihnen bei Fragen oder für eine professionelle Zeugnisberatung gern persönlich zur Verfügung!


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