Arbeitszeugnisse erstellen - Tipps für Vorgesetzte und Arbeitgeber
(von Sabine Gläser, Expertin für die Erstellung von C-Level Arbeitszeugnissen)
Leider werden Wert und Bestand eines qualifizierten Arbeitszeugnisses oft unterschätzt: Arbeitnehmer haben es ihr gesamtes Berufsleben lang in den Unterlagen und können Fehler im Nachhinein nicht mehr ausbügeln. Vor diesem Hintergrund wundert man sich oft über einen eher nachlässigen und von Zeitdruck begleiteten Erstellungsprozess.
Neben der Zusammenstellung der wichtigsten Informationen ist es wichtig, sich im Arbeitsrecht auszukennen, um keine nachhaltigen Fehler zu machen. Für alle verantwortlichen Personaler, Vorgesetzten und Arbeitgeber gilt daher:
- Keine Hauruck-Aktionen: Nehmen Sie die Beurteilung niemals „auf die Schnelle“ vor. Lassen Sie die Leistungen der vergangenen Monate und Jahre in Ruhe Revue passieren, um zu einem fundierten Gesamturteil zu gelangen.
- Kontext und Historie einbeziehen: Berücksichtigen Sie Ihre eigenen Werte. Sind Sie der letzte Vorgesetzte in einer Reihe wechselnder Führungskräfte, lohnt sich ein Blick auf die Beurteilungen der Vorgänger. Wurde zu positiv oder zu negativ geurteilt? Hat der Mitarbeiter unter Ihrer Leitung einen großen Entwicklungsschub vollzogen? Das gehört gewürdigt.
- Ausstrahlung von Anspannung vermeiden: Bleiben Sie gelassen und wählen Sie einen anderen Zeitpunkt für das Schreiben, wenn Sie gerade unter hoher persönlicher oder beruflicher Belastung stehen.
- Fairness trotz Ärger: Auch bei zurückliegendem Ärger über den Mitarbeiter gilt: Bleiben Sie absolut fair und nehmen Sie nur für den Leser relevante Informationen auf. Niemand möchte dem anderen den Berufsweg verbauen. Auf der anderen Seite dürfen arbeitsrechtlich relevante Vorkommnisse (wie etwa ein Diebstahl) natürlich nicht positiv „vertuscht“ werden.
- Mitarbeiter einbeziehen: Überlegen Sie, den Mitarbeiter in die Zeugnisgestaltung einzubinden. Studien zeigen, dass die Selbsteinschätzung oft realistisch ist – zudem kann der Mitarbeiter seinen konkreten täglichen Tätigkeitsbereich meist am besten selbst beschreiben.
- Verzicht auf Standard-Textbausteine: Gerade bei Zeugnissen für Fach- und Führungskräfte, projektbezogen arbeitende oder in Linienfunktion leitende Manager sollten Sie auf Textbausteine verzichten (siehe hierzu auch: Arbeitszeugnis für Führungskräfte). Ein standardisiertes Zeugnis drückt auf dieser Hierarchiestufe meist nur Missachtung und Unzufriedenheit aus.
Gerne unterstütze ich Sie bei der Entwicklung von aussagestarken Arbeitszeugnissen. Besonders gut kenne ich mich dabei aus in der Gestaltung von individuell zugeschnittenen Zeugnissen für das leitende Management: C-Level und Unternehmer, aber auch Bereichsleiter, Abteilungsleiter und Projektleiter.

